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Wilhelm Baumgarten gestorben

Iffezheim 2024: Wilhelm Baumgarten mit Ehefrau Marlies und Sohn Lars-Wilhelm. www.galoppfoto.de

Autor: 

Daniel Delius

TurfTimes: 

Ausgabe 855 vom Freitag, 28.02.2025

Sein Platz auf der Harzburger Rennbahn war im Büro. Dort saß Wilhelm Baumgarten auch an den Renntagen am Schreibtisch des Präsidenten, trug akribisch aktuelle Zahlen ein, rechnete, war stets auf dem neuesten Stand und wusste schon Momente nach den jeweiligen Rennen, ob etwa der Umsatz nun positiv war oder eher nicht. Meist war in seiner Amtszeit Ersteres der Fall. 

2001 wurde Wilhelm Baumgarten zum Präsidenten des Harzburger Rennvereins gewählt. Er wurde Nachfolger von Gustav Klotz und war damals ein absoluter Wunschkandidat. Von Beruf Bauingenieur, Chef eines Statikbüros. Zudem Ratsherr in der Stadt, politisch bestens vernetzt. Ein Praktiker mit Kontakten. Und einem Faible für den Galopprennsport. Er kam zu einer Zeit an die Spitze des Rennvereins, als es nach den starken 90er Jahren in Deutschland allmählich begann, etwas nach unten zu gehen. Nicht so in Bad Harzburg. Wilhelm Baumgarten war, im Vorstand mit dem Architekten Felix Bergmann an seiner Seite, 2005 für den Umbau der Bahn verantwortlich. Es war der Quantensprung von einer Provinzbahn zu einem anerkannten Hippodrom, das längst von allen etablierten Aktiven der Republik besucht wird. Ohne die damals erfolgte Maßnahme würde die Bahn im Ortsteil Bündheim heute nicht in der vorhandenen Form existieren. Investiert wurde in den Publikumsbereich, wie etwa in die Adlerflug-Lounge, sportlich wurde die Basis mit den Superhandicaps gestärkt. 

Die Übergabe der Präsidentschaft 2011 an Stephan Ahrens bedeutete keineswegs den Rückzug aus der operativen Arbeit bei dem Verein, Wilhelm Baumgarten war und blieb der Bahn mit dem scharfen Blick auf die Zahlen. Jahrelang war er im Vorstand des Direktoriums, wobei die langen Fahrten nach Köln und die dortige Tätigkeit selten vergnügungssteuerpflichtig waren. Zudem war er entscheidend an der Gestüt Harzburg GmbH beteiligt, war viele Male bei den Politikern in Hannover, um dem Gestüt eine vollblutorientierte Zukunft zu geben. Dass es aus vielerlei Gründen nicht gepasst hat, das hat ihn selbst am meisten geärgert. 

Und dann hatte er Rennpferde, immer bei seinem Freund Hubertus Fanelsa, stets auf übersichtlichem Niveau. Doch als sein Sohn Lars-Wilhelm vor einigen Jahren Liberty Racing ins Leben rief, war er natürlich dabei, stand nach den Derbysiegen von Fantastic Moon und Palladium in Hamburg auf dem Geläuf, auch wenn es ihm schon von den Bewegungen nicht mehr leicht fiel. 

Am vergangenen Freitag ist Wilhelm Baumgarten, ein aufrechter Mann, tatkräftig und erfolgreich in vielen Bereichen im Alter von 83 Jahren in Bad Harzburg gestorben. Er hinterläßt eine große Lücke. 

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